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Organischer Konsens
In Gruppen tragfähige Entscheidungen treffen
Warum Entscheidungen Wurzeln brauchen
Je wichtiger eine Entscheidung und je größer und langwieriger die Folgen, desto bewusster sollte der Prozess gestaltet werden. Besonders im kommunalen Raum sollten Instrumente, die bei einem Entscheidungsprozess zum Einsatz kommen, für den jeweiligen Zweck bestmöglich geeignet sein. Die Möglichkeiten gehen über den vorgegebenen Mehrheitsbeschluss weit hinaus, und hier geht es um nicht weniger als die kollektive Standfestigkeit.
Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas bringt das in seiner Diskursethik (= Verfahrensethik) so auf den Punkt:
"Wir können nicht jetzt bestimmen, was richtig und falsch ist. Wir können aber ein Verfahren, einen Prozess vorschlagen, mit dem wir die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Ende etwas Passendes finden, erhöhen können".
(Formulierung von Claudia Lutschewitz im Podcast "Soziologische Perspektiven")
Das jeweilige Verfahren sollte also bewusst gewählt werden und idealerweise einen Maßstab für die Ergebnisqualität beinhalten - was übrigens beim Mehrheitsprinzip nicht unbedingt der Fall ist. Nur weil etwas von vielen gewollt wird, heißt es noch lange nicht, dass es tatsächlich gut ist. Wenn es um die Stabilisierung unserer Demokratie geht, lohnt es sich, auch neurobiologische Grundlagen mit einzubeziehen.
Mit gut gestalteten Entscheidungsprozessen lassen sich an wesentlichen Stellen gezielt
Ankerpunkte setzen, die wie
Wurzeln wirken.
Wie Entscheidungen Wurzeln bekommen
Wer ist verantwortlich, wer wird gefragt, und wer einbezogen? Und
was macht eine "gute Entscheidung" aus? Dafür ist die Zustimmungsquote zunächst weniger wesentlich, als häufig angenommen wird. Wichtiger für die Tragfähigkeit ist der
Grad der Ablehnung, als Indikator für die Höhe der Akzeptanz. Entscheidungen, die in der Gruppe insgesamt wenig Unzufriedenheit auslösen, auch bei den Betroffenen, sind gut verwurzelt. Und das heißt nicht, dass alle die Entscheidung gut finden müssen. Sinn dieser Phase ist, sicherzustellen, dass die Wurzeln stark genug sind und tief genug reichen.
Was bedeutet "Organischer Konsens"?
Konsens meint hier den Grad der Akzeptanz bei Entscheidern und Betroffenen, die Nähe zum Konsens.
Organisch bedeutet:
- Entscheidungen werden so tief verwurzelt, dass sie auch zu erwartende Belastungen ("Stürme") überstehen.
- Der Prozess setzt bei der menschlichen Fähigkeit
an, sehr schnell und klar zu wissen, was uns "nicht schmeckt". Sie
ist im Menschen von Natur aus angelegt, ebenso eine hohe Motivation, Schmerz zu vermeiden.
- Der Prozess ist iterativ und bekommt genügend Zeit zur Reflexion, Tiefe vor Tempo.
- Vor dem Beschluss hat nicht die Mehrheit das Sagen, sondern die kollektive Intelligenz der Gruppe. Diese lebt vor allem von der Achtung der vorhandenen Vielfalt, im Sinne einer 360°-Perspektive.
- Insbesondere werden einzelne warnende Stimmen gehört, wie es aus dem Tierreich z.B. von der Wächterrolle in Murmeltier-Rudeln oder von der einzelnen, einen Fressfeind anzeigenden Vogelstimme.
- Statt des berüchtigten "kleinsten gemeinsamen Nenners" geht es um die größtmögliche Tiefe, den
größtmöglichen gemeinsamen Nenner, die Kraft, die das WiR zusammen und stabil hält, entsprechend den Wurzeln eines Baumes.
Organischer Konsens - wie?
Organischer Konsens ist eine Verbindung mehrerer Verfahren, vor allem Systemisches Konsensieren und The Art of Hosting.
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Zum Bild gibt es einen Blogartikel, wo ich der Ansatz an einem ganz einfachen Beispiel beschreibe.
Wesentliche Elemente der Schleife zum Organischen Konsens
- Jeder Vorschlag wird von allen Beteiligten
einzeln bewertet.
Vorteil: Die Entscheidung für einen Vorschlag beinhaltet keine Ablehnung anderer Optionen. - Bei der Bewertung werden nicht Pro-Stimmen, sondern
die Höhe der Widerstände gemessen.
Vorteil: Man gewinnt wertvolle Aussagen über das Konfliktpotential jedes eingereichten Vorschlags.
Dieser Schritt ist wie ein Kopfstand oder ein Looping in der Achterbahn. Man sieht für kurze Zeit eine Situation aus einem anderen Blickwinkel, genau umgekehrt wie "normal". - Eine sogenannte
Passiv-Option - meist "Es bleibt wie es ist" - wird mit ausgewertet.
Ideen, die im Stimmungsbild schlechter bewertet werden als die Passiv-Option, haben entweder ein großes Verbesserungspotential oder kommen für die Umsetzung nicht in Frage.
Vorteil: Die Wirkung auf das Team ist schon vor der Entscheidung transparent. Denn welches Team trägt eine Lösung mit, die es als Verschlechterung gegenüber dem Status Quo empfindet? - Idealerweise findet ein
Austausch über Widerstände statt. Dafür steht das Herz mit Ohren in meiner Illustration.
- Ein
tragfähiges Ergebnis - für die ganze Gruppe.
Es "gewinnt" nicht die Lösung mit den meisten Befürwortern, sondern eine Lösung, mit der alle möglichst gut leben können.
Vorteil: Niemand gewinnt auf Kosten Anderer. Alle profitieren von der kollektiv intelligenten Lösung.
SK mit digitaler Unterstützung
Die Rechenarbeit kann man digitalen Tools überlassen. Für die übersichtliche Darstellung der Ergebnisse einer Abstimmung kann z.B. eine spezielle Excel-Tabelle verwendet werden.
Komfortabler geht es mit Apps wie
CONCIDE® und
Acceptify oder
konsens.it:
- Konsensierungen können über längere Zeit und ortsunabhängig laufen
- Der/die Fragesteller*in und alle Teilnehmenden können ihre Vorschläge und Kommentare dazu eingeben
- Die Abstimmungsergebnise werden automatisch nach den niedrigsten Widerständen sortiert
- Direkt in der App können Fragen zu den Vorschlägen gestellt und beantwortet werden (außer App konsens).
- Die Ergebnisse stehen wenn gewünscht auch später noch zur Verfügung (außer App konsens).
Gerne gebe ich Ihnen weitere Informationen zum Einsatz der Methode und zu den technischen Möglichkeiten.
Wünschen Sie sich eine professionelle Begleitung für eine anstehende Entscheidung?
Oder möchten Sie mehr über
Organischen Konsens
erfahren?
Organischer Konsens - im inneren Team
Den Organischen Konsens können Sie auch nutzen, um ihr inneres Team in eine persönliche Entscheidung einzubeziehen. Einen solchen Prozess habe ich im Blogartikel OK im inneren Team beschrieben.
